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Fake-Profile erkennen: so schützt du dich vor Love Scam

Zu schöne Fotos, grosse Gefühle nach drei Tagen und irgendwann eine Notlage: Gefälschte Profile folgen fast immer demselben Muster. Hier lernst du es zu erkennen, bevor es teuer wird.

Ein Fake-Profil erkennst du selten an einem einzelnen Detail, sondern an der Kombination: Fotos wie aus einem Magazin, ein Beruf weit weg, sehr schnelle Liebeserklärungen, der Wunsch, die Plattform zu verlassen, ein Videoanruf, der nie klappt, und früher oder später eine Bitte um Geld. Spätestens beim letzten Punkt gilt die Regel der Schweizer Polizei: kein Geld an Internetbekanntschaften. Wie du jedes dieser Signale prüfst und was du tust, wenn es schon passiert ist, liest du hier. Wie die Masche nach dem ersten Kontakt weitergeht, zeigt unser Ratgeber Romance Scam in der Schweiz; alle Seiten der Rubrik findest du unter Sicher daten.

Frau prüft auf dem Sofa ein Dating-Profil auf dem Smartphone

Wie gross ist das Problem in der Schweiz?

Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) hat im Februar 2025 zusammen mit den kantonalen und städtischen Polizeikorps die Kampagne „Romance Scam. Wahre Liebe kostet nicht“ gestartet. Laut SKP arbeiten die Täter meist aus dem Ausland, professionell organisiert, teils mit festen Arbeitszeiten und Anweisungen. Künstliche Intelligenz wie ChatGPT hilft ihnen, glaubwürdige Texte in perfektem Deutsch zu schreiben. Und weil mehrere Täter dasselbe Opfer betreuen, kommt es manchmal zu Widersprüchen im Chat, ein Detail, auf das du achten kannst.

Gemeldet werden in der Schweiz jedes Jahr mehrere hundert Fälle von Liebesbetrug, Medien sprechen unter Berufung auf die Polizei von rund 650 bis 700 Anzeigen. Die Dunkelziffer ist deutlich höher, weil sich viele Betroffene schämen und nichts melden. Insgesamt registrierte die Polizei 2025 laut Kriminalstatistik 57'761 Straftaten mit digitalem Vorgehen. Im April 2026 meldete die Staatsanwaltschaft Zürich Hausdurchsuchungen in sechs Kantonen und zehn Festnahmen gegen eine Gruppierung, der Romance Scam und Geldwäscherei mit Schäden in Millionenhöhe vorgeworfen werden. Fake-Profile auf Dating-Seiten und in sozialen Netzwerken sind dabei das wichtigste Werkzeug.

12 Warnzeichen für ein Fake-Profil

Ein einzelnes Signal ist noch kein Beweis. Ab drei oder vier gleichzeitig solltest du aber sehr vorsichtig werden.

Am Profil

  1. Fotos wie vom Fotografen. Perfektes Licht, Modelmasse, oft nur zwei oder drei Bilder, kein Schnappschuss mit Freunden oder aus dem Alltag.
  2. Ein Beruf mit eingebauter Distanz. Ingenieur auf einer Ölplattform, Ärztin bei der UNO, Offizier im Auslandeinsatz, Unternehmer mit Projekt in Dubai. Der Beruf erklärt später, warum ein Treffen nicht geht.
  3. Leeres oder zu glattes Profil. Kaum Text, oder ein Text, der wie eine Bewerbung für die perfekte Liebe klingt, ohne ein einziges konkretes Detail.
  4. Ortsangabe passt nicht. Wohnort Zürich, aber kein Wort über die Stadt, und die Uhrzeit der Nachrichten deutet auf eine andere Zeitzone.

Im Chat

  1. Liebesschwüre nach wenigen Tagen. „Du bist die Frau, auf die ich mein Leben lang gewartet habe“ nach einer Woche ist kein gutes Zeichen, sondern eine Methode.
  2. Sofort weg von der Plattform. Der Wunsch, zu WhatsApp, Telegram oder E-Mail zu wechseln, kommt fast immer früh. Dort gibt es keine Moderation und keinen Melden-Knopf.
  3. Antworten, die nicht auf deine Fragen eingehen. Lange, schöne Texte, aber wenn du etwas Konkretes fragst, kommt Ausweichendes. Ein Hinweis auf Textvorlagen oder KI.
  4. Widersprüche. Einmal ist die Tochter 12, später 15. Einmal Witwer, später geschieden.
  5. Kein Videoanruf, nie. Die Kamera ist kaputt, das Netz zu schwach, der Chef erlaubt es nicht.

Wenn es um Geld geht

  1. Eine plötzliche Notlage. Spitalrechnung, blockiertes Konto, Zollgebühr für ein Paket, Flugticket für den Besuch bei dir.
  2. Ungewöhnliche Zahlungswege. Geschenkkarten, Krypto, Bargeld per Kurier oder die Bitte, Geld über dein Konto „weiterzuleiten“. Letzteres kann dich selbst strafbar machen, wegen Geldwäscherei.
  3. Investment-Tipps. Eine neue Variante: Der Kontakt will dir zeigen, wie er mit einer Krypto-Plattform reich geworden ist, und hilft dir beim ersten Einsatz.

Bilder prüfen: die Rückwärtssuche in 2 Minuten

Viele Betrüger verwenden Fotos, die sie im Netz gefunden haben, oft von Instagram-Profilen, Models oder Fotodatenbanken. Mit einer umgekehrten Bildersuche findest du heraus, ob ein Foto schon anderswo auftaucht.

Erscheint dasselbe Gesicht unter einem anderen Namen, als Model-Foto oder auf mehreren Dating-Seiten mit unterschiedlichem Wohnort, ist die Sache klar. Findest du nichts, ist das allerdings noch keine Entwarnung: Immer mehr Betrüger nutzen KI-generierte Gesichter, die es nirgends sonst gibt. Achte dann auf Details, die KI oft schlecht macht: Ohrringe, die nicht zusammenpassen, verschwommene Übergänge bei Haaren und Brillen, unlesbare Schrift im Hintergrund, seltsame Hände. Und auf etwas, das kein Bildprogramm liefern kann: einen spontanen Videoanruf.

Der einfachste Echtheits-Test: frag nach einem Videoanruf

Nach einigen Tagen Schreiben ist ein kurzer Videoanruf völlig normal. Viele Plattformen bieten ihn direkt im Chat an, ohne dass du deine Telefonnummer herausgeben musst. Ein echtes Gegenüber sagt meist gern zu, vielleicht etwas nervös. Ein Betrüger erfindet Gründe. Kommt nach dem dritten Vorschlag immer noch eine Ausrede, beende den Kontakt.

Noch eine einfache Probe: Bitte um ein aktuelles Foto mit einer bestimmten Geste, zum Beispiel mit erhobenem Daumen oder einem Zettel mit deinem Vornamen. Echte Menschen schicken das in fünf Minuten. Ehrlich gesagt sind auch Deepfake-Videos nicht mehr ausgeschlossen. Ein längeres, spontanes Gespräch mit Rückfragen ist dennoch schwer zu fälschen.

Älterer Mann sitzt besorgt vor dem Laptop

Fake-Profile auf Tinder, Lovoo, Finya und Zweisam

Die Masche ist überall dieselbe, die Schutzmechanismen sind verschieden. Auf Tinder gibt es eine freiwillige Fotoverifizierung per Video-Selfie: Ein blaues Häkchen zeigt, dass die Person auf den Bildern das Selfie gemacht hat. Ein fehlendes Häkchen heisst nicht automatisch Fake, ein vorhandenes ist aber ein gutes Zeichen. Auf kostenlosen Apps wie Lovoo oder Finya ist die Hürde für neue Konten niedrig, entsprechend wichtig sind dort deine eigenen Prüfungen. Auf Ü50-Plattformen wie Zweisam werden Fotos und Profiltexte moderiert, die Täter zielen dort aber gezielt auf ältere Singles. Mehr zu den Apps in unserem Überblick Dating-Apps Schweiz.

Bei Apps ohne Abo kommt eine weitere Form dazu: Profile, die dich nach wenigen Nachrichten auf eine externe Seite, ein „privates Album“ oder einen Kamera-Chat locken. Auch das sind Fakes, nur mit einem anderen Ziel: deine Daten oder deine Kreditkarte.

Woran seriöse Plattformen Fakes filtern

Keine Plattform kann Betrug ganz verhindern. Bezahlte Partnerbörsen machen es Tätern aber deutlich schwerer als Gratis-Apps, schon weil ein Abo Geld und eine Zahlungsspur kostet. Darauf kannst du achten:

be2 setzt laut Sicherheitsseite auf KI-Überwachung der Nachrichten, E-Mail-Bestätigung, SSL-Verschlüsselung und gezielte manuelle Prüfungen gemeldeter Profile. Dieselben Schutzmechanismen gelten für die Schwesterseiten der be2-Gruppe wie Zusammen.ch für Singles ab 50, wo zusätzlich ein Gespräch erst beginnt, wenn beide zustimmen. C-Date schreibt auf der Startseite, alle Nutzer und Bilder zu prüfen. Eine Ausweiskontrolle für alle Mitglieder ist bei Partnerbörsen in der Schweiz unüblich, deshalb bleiben deine eigenen Prüfungen wichtig.

Was tun, wenn du schon Geld überwiesen hast?

Zuerst: Du bist nicht dumm, und du bist nicht allein. Die Täter sind Profis, die Gefühle wie Liebe, Mitgefühl und Loyalität gezielt ausnutzen. Je schneller du handelst, desto besser. So gehst du vor:

  1. Sofort keine weiteren Zahlungen. Auch nicht „ein letztes Mal“, auch nicht, wenn plötzlich Drohungen kommen.
  2. Deine Bank anrufen. Je früher, desto eher lässt sich eine Überweisung stoppen oder zurückholen. Bei Kreditkarten frag nach einer Rückbuchung.
  3. Beweise sichern. Bildschirmfotos vom Profil und vom ganzen Chat, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Kontoangaben und Zahlungsbelege. Lösch nichts.
  4. Profil melden bei der Plattform, damit es gesperrt wird und keine weiteren Opfer findet.
  5. Anzeige erstatten bei der Kantonspolizei, auf dem Posten in deiner Nähe. Die Polizei kann nur ermitteln, wenn sie von einem Fall weiss. Informationen der Polizeikorps findest du auch auf cybercrimepolice.ch.
  6. Hilfe holen. Die Opferhilfe-Beratungsstellen in deinem Kanton beraten kostenlos und vertraulich. Cybervorfälle kannst du zusätzlich beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) melden.

Eine Warnung zum Schluss: Nach einem Liebesbetrug melden sich oft angebliche Anwälte, Detektive oder „Behörden“, die gegen eine Gebühr dein Geld zurückholen wollen. Das ist fast immer die zweite Runde desselben Betrugs. Echte Polizeistellen verlangen kein Geld für Ermittlungen.

Ältere Frau spricht mit einer Angehörigen und hält ihre Hand

Für Angehörige: wenn du einen Verdacht hast

Oft merken Kinder, Freunde oder Nachbarn zuerst, dass etwas nicht stimmt: Die Mutter erzählt von einem Mann in Übersee, den sie nie gesehen hat, der Vater fragt nach Krypto. Vorwürfe helfen selten, sie treiben Betroffene eher in die Arme des Täters. Besser: Interesse zeigen, Fragen stellen („Habt ihr schon einmal per Video telefoniert?“), gemeinsam eine Bilder-Rückwärtssuche machen. Die SKP richtet ihre Kampagne ausdrücklich auch an Angehörige, weil sie bei der Früherkennung eine wichtige Rolle spielen. Material dazu gibt es auf romance-scam.ch und bei der Schweizerischen Kriminalprävention.

Sicher daten: 5 Gewohnheiten, die schützen

Die meisten Menschen auf Dating-Seiten sind genau das, was sie zu sein scheinen: Singles, die jemanden suchen. Mit ein paar Gewohnheiten bleibt das Kennenlernen entspannt.

Wie das erste Treffen gelingt, zeigen unsere Tipps fürs erste Date. Wer ab 60 sucht, findet in Partnersuche ab 60 Plattformen mit ruhigem Publikum und Videoanruf.

Häufige Fragen zu Fake-Profilen

Wie erkenne ich Fake-Profile auf Dating-Apps?

An der Kombination aus perfekten Fotos, einem Beruf im Ausland, schnellen Liebeserklärungen, dem Wunsch nach WhatsApp und keinem Videoanruf. Prüfe die Fotos mit Google Lens oder TinEye und bitte um einen Videoanruf.

Was ist Love Scam oder Romance Scam?

Betrug, bei dem Täter über ein gefälschtes Profil eine Liebesbeziehung vortäuschen, oft über Monate, um dann Geld zu verlangen.

Wie finde ich heraus, ob ein Profilbild echt ist?

Mit einer umgekehrten Bildersuche bei Google Lens, Bing oder TinEye. Taucht das Bild unter anderem Namen auf, ist es gestohlen. Findest du nichts, kann es trotzdem KI-generiert sein: Achte auf Ohrringe, Hände und Hintergründe.

Gibt es auf Tinder viele Fake-Profile?

Wie auf allen grossen Gratis-Apps gibt es sie. Die freiwillige Fotoverifizierung mit blauem Häkchen hilft, echte Profile zu erkennen.

Wo melde ich Romance Scam in der Schweiz?

Bei der Kantonspolizei, am besten persönlich auf dem Posten mit allen Beweisen. Melde das Profil zusätzlich der Plattform.

Bekomme ich mein Geld zurück?

Manchmal, wenn du sehr schnell deine Bank kontaktierst. Je länger eine Überweisung zurückliegt, desto schwieriger wird es. Vorsicht vor Firmen, die gegen Gebühr Geld zurückholen wollen.

Quellen

 

Noch unschlüssig?

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