
Romance Scam, auf Deutsch Liebesbetrug, ist keine plumpe Masche mit holprigem Deutsch und einem Prinzen aus Übersee. Die Täter arbeiten in Teams, mit Skripten, Schichtplänen und inzwischen mit KI-Textgeneratoren. Sie bauen über Wochen eine Beziehung auf, die sich echt anfühlt, und erst dann kommt die erste Bitte um Geld. Hier liest du, wie die Masche Schritt für Schritt abläuft, welche Zahlen die Polizei nennt, mit welchen Proben du einen Verdacht prüfst und was du tust, wenn bereits Geld geflossen ist. Wie du ein gefälschtes Profil schon an Fotos und Profiltext erkennst, steht in Fake-Profile erkennen; alle Seiten der Rubrik findest du unter Sicher daten.
Was Romance Scam ist, und was nicht
Von Romance Scam spricht die Polizei, wenn jemand über ein gefälschtes Profil eine Liebesbeziehung vortäuscht, um Geld zu erhalten. Der Erstkontakt läuft über Dating-Plattformen, aber genauso über Facebook, Instagram oder eine angeblich falsch adressierte WhatsApp-Nachricht. Strafrechtlich ist das Betrug nach Art. 146 StGB. Eine eigene Masche ist die Erpressung mit intimen Bildern, dazu haben wir eine separate Seite zu Sextortion beim Online-Dating.
So läuft die Masche ab: sechs Phasen
Die Fälle, die Polizei und Präventionsstellen beschreiben, folgen fast immer demselben Drehbuch, auch wenn die Geschichte im Detail anders klingt.
1. Der Kontakt
Das Profil wirkt gepflegt, der erste Text ist persönlich und nimmt Bezug auf etwas aus deinem Profil. Häufig meldet sich ein Mensch, der beruflich weit weg ist: Ingenieur auf einer Bohrinsel, Ärztin im UNO-Einsatz, Offizier im Ausland. Die Distanz erklärt später, warum ein Treffen nie zustande kommt. Oft kommt der Kontakt über Kanäle, die gar nicht fürs Dating gedacht sind, etwa eine Nachricht auf Instagram oder ein angeblicher Zahlendreher bei einer Handynummer.
2. Vertrauen und Nähe
Jetzt wird geschrieben, jeden Tag: morgens ein „Guten Morgen, Schatz“, abends eine lange Nachricht. Der Kontakt interessiert sich für alles und teilt selbst scheinbar Intimes, oft eine Geschichte von Verlust, die zu deiner passt. Innerhalb von ein bis drei Wochen fallen die grossen Worte: Seelenverwandtschaft, gemeinsame Zukunft. Psychologen nennen das Love Bombing. Es erzeugt eine echte Bindung, auch wenn die Person dahinter nicht existiert.
3. Weg von der Plattform, weg von den anderen
Früh kommt der Vorschlag, auf WhatsApp oder Telegram zu wechseln, angeblich weil das Abo ausläuft. Dort gibt es keine Moderation und keinen Melden-Knopf. Gleichzeitig beginnt eine leise Isolation: „Deine Tochter versteht uns nicht“, „lass uns das für uns behalten, bis wir uns gesehen haben“. Wer später Freunden davon erzählen will, hat dann schon das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun.
4. Die erste Notlage
Sie kommt selten als direkte Bitte, sondern als Erzählung: Der Zoll hält ein Paket fest, das Konto ist gesperrt, die Tochter braucht eine Operation, der Flug zu dir ist gebucht, aber es fehlen die Gebühren. Der Betrag ist zuerst überschaubar, einige hundert Franken. Oft gibt es gefälschte Dokumente dazu: eine Rechnung, das Foto eines Ausweises, ein Schreiben einer Behörde.
5. Eskalation
Wer einmal gezahlt hat, zahlt mit hoher Wahrscheinlichkeit nochmals, weil mit jeder Zahlung die Hoffnung wächst, dass sich die erste gelohnt hat. Die Geschichten werden dramatischer, neue Figuren mischen sich ein: ein „Anwalt“, ein „Arzt“, ein „Vorgesetzter“. In Fällen, die Schweizer Behörden beschreiben, summieren sich die Beträge bis in sechsstellige Höhe, finanziert aus Ersparnissen, Pensionskassenkapital oder Krediten.
6. Das Ende
Entweder das Geld ist aufgebraucht, oder Angehörige greifen ein, oder die Bank blockiert eine Zahlung. Dann verschwindet der Kontakt, oder er dreht: Vorwürfe, Drohungen, manchmal Erpressung mit Fotos. Und Monate später meldet sich jemand Neues, der angeblich hilft, das Geld zurückzuholen.
Zwei Varianten, die du kennen solltest
- Die Kurier-Variante. Statt Geld zu verlangen, bittet der Kontakt dich, eine Überweisung weiterzuleiten, ein Paket anzunehmen oder dein Konto „kurz“ zur Verfügung zu stellen. Du wirst damit zum Geldkurier (Money Mule) für Erlöse aus anderen Betrugsfällen. Die Kantonspolizei Zürich warnt ausdrücklich davor, rechtlich kann das Geldwäscherei nach Art. 305bis StGB sein.
- „Ich zeig dir, wie ich investiere.“ Der Kontakt erzählt beiläufig von Gewinnen mit Krypto, zeigt Screenshots einer App und bietet an, dich einzuführen. Die ersten kleinen Einsätze „wachsen“ auf einer gefälschten Handelsplattform, manchmal wird sogar eine kleine Auszahlung erlaubt. Dann kommen grössere Einzahlungen, und beim Auszahlen fallen plötzlich „Steuern“ und „Gebühren“ an. International heisst diese Kombination Pig Butchering. In der Schweizer Kriminalstatistik ist Online-Anlagebetrug die häufigste Betrugsform bei Männern.
Typische Zahlungswege: Gutscheinkarten, Krypto-Automaten, Bargeld per Kurier, weil sie anonym und kaum rückholbar sind.
Zahlen aus der Schweiz
Die polizeiliche Kriminalstatistik 2025 des Bundesamts für Statistik, veröffentlicht im März 2026, zählt 57'761 Straftaten mit digitalem Vorgehen, zwei Prozent weniger als im Vorjahr. 36'572 Personen wurden durch Cyber-Wirtschaftskriminalität geschädigt, 81,2 Prozent von ihnen durch Online-Betrug. Beim Romance Scam sind laut PKS 54,8 Prozent der Geschädigten Frauen, bei den meisten anderen Betrugsformen überwiegen Männer, etwa beim Online-Anlagebetrug mit 65,2 Prozent. Am stärksten betroffen ist die Altersgruppe über 60.
Die Zahl der Romance-Scam-Fälle weist die Statistik nicht separat aus. Medien sprechen unter Berufung auf die Polizei von rund 650 bis 700 Anzeigen pro Jahr, die Dunkelziffer dürfte ein Vielfaches betragen, weil sich viele Betroffene schämen. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) erhielt 2025 insgesamt 64'733 Meldungen zu Cybervorfällen, im zweiten Halbjahr betraf rund die Hälfte Betrug.
Zwei Daten aus Prävention und Strafverfolgung: Im Februar 2025 lancierte die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) mit den Polizeikorps die Kampagne „Romance Scam. Wahre Liebe kostet nicht“. Im April 2026 meldete die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich zehn Festnahmen in mehreren Kantonen; den Beschuldigten werden Romance Scam und Geldwäscherei mit Schäden in Millionenhöhe vorgeworfen. Wer ab 60 online einen Partner sucht, ist eine bevorzugte Zielgruppe, nicht aus Leichtgläubigkeit, sondern weil Vermögen, Zeit und ein ehrliches Bedürfnis nach Nähe zusammenkommen.
Warum Betroffene nicht naiv sind
Die häufigste Reaktion von Aussenstehenden lautet: „Wie kann man nur?“ Sie schadet, denn sie hält Betroffene davon ab, Hilfe zu holen. Unter den Geschädigten sind Lehrerinnen, Unternehmer, Juristinnen. Die Masche funktioniert wegen ganz normaler menschlicher Mechanismen.
- Bindung vor Bitte. Das Geld kommt erst, wenn die Beziehung emotional echt ist. Dann entscheidet nicht der Verstand, sondern die Sorge um einen geliebten Menschen.
- Kleine Schritte. Die erste Bitte ist klein und plausibel, jede weitere nur ein bisschen grösser als die letzte.
- Wer schon 5'000 Franken gegeben hat, will nicht glauben, dass sie verloren sind. Eine weitere Zahlung fühlt sich an wie der Schutz der bisherigen.
- Die Notlage ist immer akut, und mit Dritten darüber zu reden gilt als „Verrat“. So bleibt keine Gelegenheit, den Kopf zu lüften.
- Die SKP weist darauf hin, dass Täter organisiert arbeiten, teils in Schichten, mit Textvorlagen und KI-Tools für fehlerfreies Deutsch. Ein einzelner Mensch schreibt gegen ein Team.
Und die Scham ist Teil des Geschäftsmodells: Wer sich schämt, zeigt nicht an, warnt niemanden und ist für die zweite Runde, den angeblichen Rückholservice, wieder empfänglich.

Proben, die du mitten im Chat machen kannst
Diese Proben sind für ehrliche Menschen unproblematisch und für Betrüger kaum zu bestehen.
- Schlag einen spontanen Videoanruf vor, jetzt, nicht am Wochenende. Drei Ausreden in Folge sind eine Antwort.
- Bitte um ein Foto mit einer Geste, die du vorgibst, zum Beispiel die linke Hand am Ohr. Mit gestohlenen Bildern geht das nicht.
- Stell eine Frage, die nur jemand vor Ort beantworten kann: das Wetter heute, die Tramlinie zur Arbeit.
- Sag ruhig und früh: „Ich schicke grundsätzlich kein Geld an Menschen, die ich nicht getroffen habe.“ Beobachte, ob die Person danach kühler wird.
- Lass die Fotos durch eine Rückwärtssuche laufen, die Anleitung steht in Fake-Profile erkennen.
- Erzähl einer Vertrauensperson von der Beziehung. Wenn du merkst, dass du Dinge weglassen willst, nimm genau das ernst.
- Gib dir bei jeder Geldbitte 24 Stunden. Kein echter Notfall scheitert an einem Tag Bedenkzeit.
Beim ersten echten Treffen gelten dann die üblichen Regeln, nachzulesen in Sicheres erstes Treffen.
Wenn schon Geld geflossen ist
Die Reihenfolge ist wichtig, und Tempo zählt: Die meisten Rückholungen gelingen in den ersten Stunden.
1. Zahlungen stoppen und die Bank anrufen
Ruf sofort deine Bank oder PostFinance an, auch abends über die Sperrnummer. Eine Überweisung lässt sich manchmal zurückrufen, solange das Geld das Empfängerkonto nicht verlassen hat. Bei Kreditkarten fragst du nach einer Rückbuchung (Chargeback). Bei Krypto ist eine Rückholung in der Regel nicht möglich, melde den Fall trotzdem, die Wallet-Adresse ist für die Ermittler wertvoll.
2. Beweise sichern, nichts löschen
Bildschirmfotos des Profils und des ganzen Chatverlaufs, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, IBAN und Wallet-Adressen, Zahlungsbelege sowie alle Dokumente, die dir geschickt wurden. Lösch den Chat nicht aus Wut, er ist dein wichtigstes Beweismittel.
3. Kontakt beenden, Profil melden
Kein Abschiedsgespräch, keine Konfrontation. Blockiere Nummer und Profile und melde das Profil bei der Plattform, damit es gesperrt wird. Wie die Anbieter mit solchen Meldungen umgehen, liest du in Wie Plattformen Profile prüfen.
4. Anzeige erstatten
Romance Scam ist Betrug nach Art. 146 StGB und wird von Amtes wegen verfolgt. Geh mit deinen Beweisen auf einen Polizeiposten in deinem Kanton; mehrere Korps bieten auch Online-Anzeigen an, die Wege dazu findest du auf cybercrimepolice.ch. Eine Anzeige ist auch sinnvoll, wenn die Täter im Ausland sitzen: Sie führt zu Kontosperren in der Schweiz, deckt Muster auf und ist Voraussetzung für jede spätere Rückforderung. Eine Meldung beim Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) hilft der Lagebeurteilung, ersetzt aber keine Strafanzeige.
5. Wenn du Geld weitergeleitet hast
Hast du auf Bitte des Kontakts Beträge empfangen und weiterüberwiesen, Pakete angenommen oder dein Konto zur Verfügung gestellt, geh ebenfalls zur Polizei, und zwar von dir aus. Solche Handlungen können als Geldwäscherei nach Art. 305bis StGB verfolgt werden, und Banken schliessen betroffene Konten oft von sich aus. Wer sich selbst meldet und offenlegt, dass er getäuscht wurde, steht deutlich besser da. Bei grösseren Beträgen lohnt sich eine Rechtsberatung, etwa über die unentgeltliche Rechtsauskunft deines Kantons.
6. Vorsicht vor der zweiten Runde
Wochen oder Monate später melden sich „Anwaltskanzleien“, „Ermittler“ oder „Rückhol-Agenturen“, die dein Geld gegen eine Vorauszahlung zurückholen wollen. Sie kennen deinen Fall, weil es dieselben Täter sind oder deine Daten weiterverkauft wurden. Echte Behörden verlangen nie Geld für Ermittlungen, und seriöse Anwälte melden sich nicht unaufgefordert per WhatsApp. Was du gegenüber Plattformen und Banken verlangen kannst, erklärt Deine Rechte beim Online-Dating.

Für Angehörige: Anzeichen und ein guter Einstieg
Angehörige merken es oft zuerst, an Nebensächlichkeiten: Die Mutter wird einsilbig, wenn man nach dem neuen Kontakt fragt. Der Vater hebt viel Bargeld ab, spricht plötzlich von Krypto oder fragt nach einem Kredit. Der angekündigte Besuch wird zum dritten Mal verschoben. Einzeln bedeutet das nichts, zusammen ist es ein Muster.
Was selten funktioniert: das Wort „Betrüger“ in den Raum stellen. Die Person steht dann vor der Wahl zwischen dir und dem Menschen, der ihr seit Wochen jeden Morgen schreibt. Besser sind offene Fragen: Wie habt ihr euch kennengelernt, habt ihr schon per Video telefoniert? Biete an, die Fotos gemeinsam zu prüfen. Wenn schon Geld geflossen ist, geh mit auf den Polizeiposten, statt zu schimpfen. Die Opferhilfe-Beratungsstellen stehen auch Angehörigen offen, und bei hohen Beträgen hilft manchmal ein Gespräch mit der Hausbank, die Auslandüberweisungen hinterfragen und Limiten setzen kann.
Hilfe und Meldestellen
- Polizei 117: bei akuter Gefahr, zum Beispiel wenn Drohungen ausgesprochen werden.
- Sanität 144: bei medizinischen Notfällen.
- Dargebotene Hand 143: rund um die Uhr, anonym, wenn du einfach reden musst.
- Opferhilfe 142: seit dem 1. Mai 2026 nationale Nummer (keine Notrufnummer), Beratungsstellen unter opferhilfe-schweiz.ch: kostenlos, vertraulich, auf Wunsch anonym, auch für Angehörige. Die Opferhilfe richtet sich an Menschen, die in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität beeinträchtigt wurden; wenn dich der Betrug psychisch stark trifft, melde dich trotzdem.
- cybercrimepolice.ch: Portal der Schweizer Polizeikorps, Ereignis melden und aktuelle Warnliste.
- Bundesamt für Cybersicherheit BACS: Meldeformular für Cybervorfälle auf bacs.admin.ch.
- Schweizerische Kriminalprävention: Kampagnenmaterial und Merkblätter auf skppsc.ch.
Häufige Fragen zu Romance Scam
Was ist Romance Scam genau?
Betrug nach Art. 146 StGB, bei dem Täter über ein gefälschtes Profil eine Liebesbeziehung vortäuschen, über Wochen Vertrauen aufbauen und dann Geld verlangen, meist für eine angebliche Notlage, eine Reise oder eine „Investition“.
Wie viele Fälle gibt es in der Schweiz?
Medien sprechen unter Berufung auf die Polizei von rund 650 bis 700 Anzeigen pro Jahr. Laut Kriminalstatistik 2025 sind 54,8 Prozent der Geschädigten Frauen, Menschen über 60 sind am häufigsten betroffen.
Bekomme ich mein Geld zurück?
Manchmal, wenn du innerhalb von Stunden deine Bank informierst. Kreditkartenzahlungen lassen sich eher zurückbuchen als Überweisungen, Krypto praktisch nie. Vorsicht vor Firmen, die gegen Vorkasse Geld zurückholen wollen.
Mache ich mich strafbar, wenn ich Geld weitergeleitet habe?
Das ist möglich, Stichwort Geldwäscherei nach Art. 305bis StGB. Melde dich von dir aus bei der Polizei und lege offen, dass du getäuscht wurdest.
Wo melde ich einen Verdacht, wenn noch kein Geld geflossen ist?
Bei der Plattform über die Melden-Funktion im Profil oder Chat, damit das Konto gesperrt wird, zusätzlich auf cybercrimepolice.ch.
Quellen
- Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025 (23. März 2026): digitale Straftaten, Anteile nach Geschlecht und Alter, abgerufen im Oktober 2026.
- Bundesamt für Cybersicherheit BACS, Halbjahresberichte 2025: Meldezahlen, Anteil Betrug, abgerufen im Oktober 2026.
- Schweizerische Kriminalprävention SKP: Kampagne „Romance Scam. Wahre Liebe kostet nicht“ (Medienmitteilung 27. Februar 2025), abgerufen im Oktober 2026.
- Kanton Zürich (zh.ch): Medienmitteilung der Staatsanwaltschaft vom 28. April 2026; Verhaltenstipps der Kantonspolizei Zürich, abgerufen im Oktober 2026.
- cybercrimepolice.ch, Portal der Schweizer Polizeikorps: Phänomen und Meldewege, abgerufen im Oktober 2026.
- Strafgesetzbuch (fedlex): Art. 146 Betrug, Art. 305bis Geldwäscherei, abgerufen im Oktober 2026.
- opferhilfe-schweiz.ch: Nummer 142, Beratungsangebot, abgerufen im Oktober 2026.
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