
Fast jede Dating-Plattform wirbt damit, Profile zu prüfen. Nur: Es gibt keine einheitliche Definition dafür. Bei der einen heisst „geprüft“, dass die E-Mail-Adresse bestätigt wurde. Bei der anderen hat eine Software die Fotos durchgesehen. Bei der dritten hat die Person ein Video-Selfie gemacht, das mit den Profilbildern verglichen wurde. Eine Ausweiskontrolle für alle Mitglieder bietet in der Schweiz keine der grossen Plattformen an. Wir haben die Sicherheitsseiten, AGB und Hilfeartikel der wichtigsten Anbieter ausgewertet (Stand Oktober 2026) und zeigen dir, was die Prüfungen leisten, was nicht, und wie du die Melden- und Blockieren-Funktionen richtig einsetzt.

Kurz-Check · 4 Fragen
Wie gut ist dein Kontakt überprüft?
Plattformen prüfen Profile unterschiedlich gründlich. Vier Fragen zeigen dir, wie viel Sicherheit du bei deinem Kontakt schon hast.
- Hat das Profil ein Verifizierungs-Häkchen, etwa nach einem Foto- oder Video-Selfie?
- Passen Fotos, Alter und Angaben im Profil zueinander?
- Hattet ihr schon einen Video-Call?
- Hat eine Bilder-Rückwärtssuche nichts Auffälliges gezeigt?
Was „geprüftes Profil“ je nach Plattform bedeutet
Die Tabelle fasst zusammen, was die Anbieter selbst auf ihren Sicherheitsseiten, in den AGB und in den Hilfeartikeln angeben. Sie zeigt nicht, wie gut die Systeme in der Praxis funktionieren, das lässt sich von aussen nicht messen.
| Plattform | E-Mail- oder SMS-Bestätigung | Foto- oder Ausweisprüfung | Moderation gemeldeter Profile | Videoanruf integriert |
|---|---|---|---|---|
| be2 | E-Mail, Pflicht vor der ersten Nachricht | Automatische Fotoprüfung laut AGB, kein Ausweis, kein Selfie | KI-Überwachung der Nachrichten, selektive manuelle Prüfung gemeldeter Profile | Ja, für Premium-Mitglieder |
| Zusammen.ch | E-Mail, Pflicht vor der ersten Nachricht | Wie be2 (gleiche Gruppe, gleiche Sicherheitsseite) | Wie be2 | Ja, für Premium-Mitglieder |
| C-Date | Automatische Fotoprüfung laut AGB, kein Ausweis, kein Selfie | Wie be2, zusätzlich ein Verhaltenskodex mit Warnzeichen | Laut AGB in einigen Ländern | |
| Parship | SMS-Verifizierung, nur über die Website | Automatisiert überprüfte Profile, kein Ausweis | Trust & Safety Team | Keine Angabe auf den geprüften Seiten |
| Tinder | Telefonnummer oder E-Mail | Freiwilliges Video-Selfie mit Badge; Ausweis zur Altersprüfung je nach Land | Melden, Blockieren, automatische Hinweise bei unangemessenen Nachrichten | Ja |
| Gratis-Apps (Lovoo, Finya, Badoo) | Je nach App E-Mail oder Telefon | Teils freiwillige Fotoprüfung | Unterschiedlich, oft nur auf Meldung | Je nach App |
Ein paar Erläuterungen zu den Zeilen. be2, Zusammen.ch und C-Date gehören zur selben Unternehmensgruppe und verwenden dieselbe Sicherheitsseite. Dort stehen vier Massnahmen: KI-gestützte Überwachung der Nachrichten, eine obligatorische E-Mail-Bestätigung, bevor jemand schreiben kann, „selektive manuelle Prüfungen“ von Profilen, die gemeldet wurden, und SSL-Verschlüsselung. Eine Identitäts- oder Selfie-Verifizierung wird nicht erwähnt. In den AGB steht zudem, dass die Plattform Profile und Bilder prüfen darf, aber nicht muss, mit „automatisierten Techniken“ und „menschlichen Handlungen aufgrund von Beschwerden“. Das ist ehrlich formuliert: Die Prüfung läuft im Hintergrund und wird gezielt, wenn Mitglieder melden.
C-Date verspricht auf der Startseite, alle Nutzer und Bilder zu prüfen. Die Sicherheitsseite ist präziser und beschreibt dieselben vier Massnahmen wie bei be2. Nützlich ist der Verhaltenskodex von C-Date: Er listet die typischen Zeichen einer Betrugsmasche auf, etwa schnelle Liebeserklärungen, den Wechsel auf externe Messenger und Geldbitten, und erklärt, wie man solche Mitglieder meldet.
Parship nennt auf der Startseite automatisiert überprüfte Profile, eine von TÜV SÜD zertifizierte Software, ein Trust & Safety Team und eine SMS-Verifizierung. Letztere ist gratis, funktioniert laut AGB aber nur über die Website, nicht in der App. Wer sie macht, bestätigt damit eine Handynummer, nicht seine Identität.
Tinder geht am weitesten, aber freiwillig: Die Fotoverifizierung per Video-Selfie vergleicht dein Gesicht mit den Profilbildern und vergibt ein Badge. Tinder selbst schreibt, dass das Badge nicht die Identität einer Person garantiert. Je nach Land verlangt Tinder zusätzlich einen Ausweis zur Altersprüfung, und bei ungewöhnlicher Aktivität kann die App ein Video-Selfie einfordern, bevor das Konto wieder normal nutzbar ist. Dazu kommen „Mein Date teilen“, Blockieren, Videochat und Hinweise, wenn eine Nachricht unangemessen wirkt. Nach dem Löschen eines Kontos behält Tinder die Profildaten noch 90 Tage.
Warum es keine generelle Ausweisprüfung gibt
Die Frage kommt oft: Warum verlangt nicht einfach jede Plattform eine ID? Drei Gründe sprechen aus Sicht der Anbieter dagegen, und mindestens einer davon ist auch in deinem Interesse.
- Datenschutz. Eine Ausweiskopie ist ein sensibles Dokument. Wer sie bei einer Dating-Plattform hinterlegt, vertraut ihr Name, Geburtsdatum, Ausweisnummer und Foto an, oft zusammen mit sehr persönlichen Angaben zum Liebesleben. Das Datenschutzgesetz verlangt, dass nur so viele Daten bearbeitet werden wie nötig. Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte hat 2023 bei der Dating-App Once gezeigt, dass er genau hinschaut, wie solche Apps informieren und Daten bearbeiten. Mehr dazu in Datenschutz bei Dating-Apps.
- Kosten und Hürden. Eine Ausweisprüfung kostet pro Person Geld und schreckt einen Teil der ehrlichen Interessenten ab. Plattformen, die auf schnelle Anmeldung setzen, verzichten deshalb darauf.
- Keine gesetzliche Pflicht. In der Schweiz schreibt kein Gesetz Dating-Plattformen eine Identitätsprüfung vor. Die Anbieter entscheiden selbst, und sie entscheiden sich meist für Verfahren, die Fakes erschweren, ohne die Mehrheit zu belasten.
Für dich heisst das: Ein Häkchen, ein Badge oder das Wort „geprüft“ ist ein Hinweis, kein Beweis. Eine Person kann ihre E-Mail bestätigt haben, ein echtes Selfie gemacht haben und trotzdem mit falschen Absichten unterwegs sein. Umgekehrt ist ein fehlendes Badge noch kein Grund zur Sorge, viele echte Mitglieder machen die freiwillige Prüfung schlicht nicht.
Was du von dir selbst verlangen kannst
Die Plattform filtert grob, du prüfst fein. Das ist keine Last, sondern Routine, die nach zwei Wochen automatisch läuft.
- Bleib im Chat der Plattform, bis ihr euch per Video gesehen habt. Dort gibt es Moderation und einen Melden-Knopf, bei WhatsApp oder Telegram nicht.
- Schlag nach ein paar Tagen einen Videoanruf vor. Bei be2, Zusammen.ch und Tinder geht das direkt in der App, ohne dass du deine Nummer herausgibst. Wer dreimal ausweicht, ist raus.
- Mach eine Bilder-Rückwärtssuche, wenn dir Fotos zu perfekt vorkommen. Wie das geht, steht in Fake-Profile erkennen.
- Gib Adresse, Arbeitgeber und finanzielle Details erst preis, wenn du die Person getroffen hast.
- Kein Geld an Internetbekanntschaften, nie, in keiner Form. Das ist die Regel der Schweizer Polizei, und sie gilt auch, wenn das Profil ein Badge hat.

So meldest und blockierst du ein Mitglied
Die Bedienung ist bei den meisten Plattformen ähnlich, die Begriffe unterscheiden sich leicht. Grundmuster: Profil der Person öffnen, Menü mit den drei Punkten oder dem Zahnrad antippen, „Melden“ oder „Blockieren“ wählen, Grund angeben, abschicken.
Melden
- Bei be2, Zusammen.ch und C-Date findest du die Melden-Funktion im Profil und im Chat. Die Meldung ist laut FAQ anonym, die gemeldete Person erfährt nicht, wer sie gemeldet hat.
- Bei Parship bearbeitet laut Startseite ein Trust & Safety Team die Meldungen; der Weg führt wie überall über das Profil der Person.
- Bei Tinder tippst du im Profil oder im Chat auf das Schild- oder Menüsymbol, wählst „Melden“ und den Grund.
Gib bei der Meldung so konkret wie möglich an, was passiert ist: Geldbitte, Aufforderung zum Wechsel auf WhatsApp, widersprüchliche Angaben, beleidigende Nachrichten. Bildschirmfotos sind willkommen. Mach sie, bevor du blockierst, denn nach dem Blockieren ist der Chat oft nicht mehr sichtbar. Wenn du den Verdacht hast, dass dieselbe Person mehrere Profile betreibt, nenne die Namen.
Blockieren
Blockieren beendet den Kontakt sofort: Die Person kann dir nicht mehr schreiben und dein Profil in der Regel nicht mehr sehen. Bei be2 und den Schwesterseiten geht das über das Profil, bei Tinder über „Match aufheben“ oder „Blockieren“. Wichtig: Blockieren allein ist keine Meldung. Wer nur blockiert, schützt sich selbst, aber nicht die nächste Person, die dasselbe Profil anschreibt. Deshalb zuerst melden, dann blockieren.
Was die Plattform nach einer Meldung tut und was nicht
Nach einer Meldung prüft die Plattform das Profil, bei be2, Zusammen.ch und C-Date laut Sicherheitsseite manuell. Mögliche Folgen: eine Verwarnung, das Entfernen einzelner Fotos oder Texte, die Sperrung des Kontos. Die AGB der be2-Gruppe sehen bei Verstössen eine Sperrung vor, und bereits bezahlte Beträge können einbehalten werden. Du erhältst in der Regel keine detaillierte Rückmeldung, was mit dem gemeldeten Profil passiert ist, aus Datenschutzgründen.
Was eine Plattform nicht kann und nicht darf: ermitteln. Sie kennt weder die Identität hinter einem Fake-Profil noch kann sie Geld zurückholen oder eine Strafverfolgung einleiten. Das ist Sache der Polizei. Wenn du Geld überwiesen hast, mit Bildern erpresst wirst oder bedroht wirst, geh mit allen Bildschirmfotos auf den Polizeiposten und erstatte Anzeige. Die Plattform kann der Polizei auf Anfrage Daten herausgeben, das geschieht aber nur im Rahmen eines Verfahrens. Was dich dabei erwartet, beschreibt Romance Scam in der Schweiz.
Noch eine Grenze: Plattformen prüfen Profile, nicht Absichten. Jemand kann vollständig echt sein, mit richtigem Namen und eigenen Fotos, und sich trotzdem respektlos verhalten. Auch dafür ist die Melden-Funktion da. Belästigung, Drohungen und unerwünschte intime Bilder verletzen die Nutzungsregeln jeder seriösen Plattform.
Deine Rolle als Mitglied
Die Zahlen zeigen, warum das zählt. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2025 registrierte die Polizei 57'761 Straftaten mit digitalem Vorgehen; bei den Geschädigten der Cyber-Wirtschaftskriminalität gingen über 80 Prozent auf Online-Betrug zurück. Bei Romance Scam sind laut derselben Statistik mehrheitlich Frauen betroffen, bei Sextortion zu neun Zehnteln Männer. Täter arbeiten mit vielen Profilen gleichzeitig. Jede Meldung, die zu einer Sperrung führt, nimmt ihnen eines davon weg, und zwar bevor die nächste Person Geld überweist.
Melden ist deshalb kein Petzen und keine Überreaktion. Es ist der Teil des Systems, der ohne dich nicht funktioniert: Die KI der Plattform erkennt Muster, aber der Mensch im Chat erkennt den Kontext. Wenn dir etwas seltsam vorkommt, melde es. Eine unbegründete Meldung hat für die gemeldete Person keine Folgen, eine berechtigte schützt andere.
Umgekehrt kannst du selbst dazu beitragen, als echtes Mitglied erkannt zu werden: E-Mail oder Handynummer bestätigen, wo möglich die freiwillige Fotoverifizierung machen, mehrere Alltagsfotos hochladen und im Profiltext konkrete Details nennen. Wer so auftritt, bekommt mehr Antworten und weniger Misstrauen. Einen Überblick über alle Themen der Rubrik, vom ersten Treffen bis zu deinen Rechten, gibt der Hub Sicher daten.
Hilfe und Meldestellen
Wenn mehr passiert ist als ein seltsames Profil, bist du hier richtig:
- Polizei 117, bei akuter Gefahr oder Bedrohung.
- Sanität 144, bei einem medizinischen Notfall.
- Dargebotene Hand 143, rund um die Uhr, wenn du reden musst, anonym und kostenlos.
- Opferhilfe: Beratung kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym, auch für Angehörige, über opferhilfe-schweiz.ch oder die nationale Nummer 142 (keine Notrufnummer).
- cybercrimepolice.ch: Informationen der Schweizer Polizeikorps zu aktuellen Maschen und das Formular Ereignis melden. Eine Strafanzeige erstattest du auf dem Polizeiposten.
- Bundesamt für Cybersicherheit BACS: Meldeformular für Cybervorfälle auf bacs.admin.ch.
Häufige Fragen zur Profilprüfung
Was bedeutet „verifiziertes Profil“ auf einer Dating-Plattform?
Je nach Anbieter etwas anderes: bestätigte E-Mail-Adresse oder Handynummer, automatisch geprüfte Fotos oder ein Video-Selfie, das mit den Profilbildern verglichen wurde. Keine der grossen Plattformen in der Schweiz prüft die Identität aller Mitglieder per Ausweis.
Prüft be2 die Profile manuell?
Laut Sicherheitsseite überwacht eine KI die Nachrichten, und gemeldete Profile werden selektiv manuell geprüft. Eine Selfie- oder Ausweisprüfung gibt es nicht. Dasselbe gilt für Zusammen.ch und C-Date, die zur selben Gruppe gehören.
Ist das blaue Häkchen auf Tinder eine Garantie?
Nein. Es zeigt, dass die Person ein Video-Selfie gemacht hat, das zu den Profilbildern passt. Tinder schreibt selbst, dass das Badge weder die Identität noch die Absichten garantiert. Es macht ein gestohlenes Foto aber deutlich unwahrscheinlicher.
Erfährt die gemeldete Person, dass ich sie gemeldet habe?
Bei be2, Zusammen.ch und C-Date ist die Meldung laut FAQ anonym. Auch bei Tinder und Parship wird der Name der meldenden Person nicht weitergegeben.
Soll ich zuerst melden oder blockieren?
Zuerst Bildschirmfotos machen, dann melden, dann blockieren. Nach dem Blockieren ist der Chat oft nicht mehr sichtbar, und eine blosse Blockierung schützt die nächste Person nicht.
Kann die Plattform mein Geld zurückholen?
Nein. Die Plattform kann das Profil sperren, mehr nicht. Für Rückbuchungen ist deine Bank zuständig, für Ermittlungen die Polizei. Je schneller du beide kontaktierst, desto besser die Chancen.
Quellen
- be2.ch, Sicherheitsseite /SECURITY und FAQ: KI-Überwachung, E-Mail-Bestätigung, selektive manuelle Prüfungen, SSL, anonyme Meldung, Videoanrufe für Premium; abgerufen im Oktober 2026.
- zusammen.ch, Sicherheitsseite /SECURITY und AGB: gleiche Massnahmen wie be2, Prüfrecht nach Ziff. 6 der AGB, Sperrung bei Verstössen; abgerufen im Oktober 2026.
- c-date.ch, Verhaltenskodex /oms/verhaltenskodex und Startseite: Warnzeichen für Betrugsmaschen, Meldeweg, Startseitenversprechen zur Prüfung aller Nutzer und Bilder; abgerufen im Oktober 2026.
- parship.ch, Startseite und AGB Ziff. 6.2: automatisiert überprüfte Profile, TÜV-SÜD-zertifizierte Software, Trust & Safety Team, SMS-Verifizierung nur über die Website; abgerufen im Oktober 2026.
- help.tinder.com, Artikel 4422771431309 (Fotoverifizierung per Video-Selfie) und 360040592691 (Altersverifizierung je nach Standort); abgerufen im Oktober 2026.
- Bundesamt für Statistik, Polizeiliche Kriminalstatistik 2025: 57'761 Straftaten mit digitalem Vorgehen, Anteil Online-Betrug, Verteilung bei Romance Scam und Sextortion; abgerufen im Oktober 2026.
- cybercrimepolice.ch, Angebot der Schweizer Polizeikorps: aktuelle Phänomene, Warnliste, Ereignis melden; abgerufen im Oktober 2026.
- opferhilfe-schweiz.ch: kostenlose und anonyme Beratung, nationale Nummer 142 seit dem 1. Mai; abgerufen im Oktober 2026.